Trauma, ungelöste Konflikte und Demenz
- Kathrin Schachtschabel

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Trauma, ungelöste Konflikte und Demenz – gibt es einen Zusammenhang?
Die Arbeit als Krankenschwester und Fusspflegerin bringt mich oft auch mit Menschen in Verbindung, die an Demenz leiden.
Was oft interessant ist, dass unverarbeitete Themen oft im Focus der wiederholten Erinnerung stehen, zB. der Vater, der aus der Gefangenschaft kam, völlig unkenntlich und fremd dem Kind entgegenschritt, das er vorher noch nie zu sehen bekam, der dann kurz nach seiner Ankunft zu Hause starb; die Mutter des Kindes weinend und leidend am Grab stehend und die jetzt fast 90-jährige wiederholt die Begebenheit und das schmerzliche Gefühl, dass sie ihrer Mutter in der Situation unfähig war zu helfen, in ihrer Erinnerung wie eine Schleife , die nicht aufhören möchte.
Sie hängt förmlich darin fest.
Sie weiß aber, dass sie Kinder hat, aber diese sind noch klein, in ihrer Erinnerung , Enkelkinder hat sie auch schon, ihr eigener Mann lebt nicht mehr,
aber ihre Mutter er-fühlt sie immer wieder voller Leid am Grab stehend, jeden Tag aufs Neue.
In der modernen Neurobiologie wird zunehmend erkannt, dass seelische Belastungen nicht nur die Psyche, sondern auch das Gehirn nachhaltig beeinflussen können.
Chronische Traumatisierungen, unverarbeitete Konflikte und langanhaltender Stress führen häufig zu einer dauerhaften Aktivierung des Stresssystems. Dabei werden über Jahre erhöhte Mengen von Stresshormonen wie Cortisol ausgeschüttet.
Was passiert im Gehirn?
Besonders betroffen ist der sogenannte Hippocampus, eine Gehirnregion, die für Gedächtnis, Orientierung und Lernen verantwortlich ist.
Chronisch erhöhte Cortisolspiegel können:
Nervenzellen schädigen,
die Bildung neuer Nervenzellen hemmen,
Entzündungsprozesse fördern,
die Gedächtnisleistung beeinträchtigen.
Genau diese Strukturen spielen auch bei vielen Demenzerkrankungen eine zentrale Rolle.
Studien zeigen, dass Menschen mit langjährigen Depressionen, schweren Traumafolgestörungen oder chronischem Stress ein erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen im Alter haben können.
Wenn die Seele nicht vergessen kann, vergisst der "Kopf"?
In der Traumatherapie gibt es einen interessanten Gedanken:
Unverarbeitete Erlebnisse werden häufig nicht als Geschichte abgespeichert, sondern als Gefühle, Körperempfindungen und Stressreaktionen.
Viele Betroffene entwickeln über Jahrzehnte Strategien des Verdrängens:
„Darüber spricht man nicht.“
„Das ist vorbei.“
„Ich muss funktionieren.“
Doch das Nervensystem vergisst nicht.
Manche Traumatherapeuten beschreiben Demenz daher symbolisch als einen Zustand, in dem nicht integrierte Erinnerungen und Gefühle auf andere Weise Ausdruck suchen.
Diese Sichtweise ist jedoch eher ein psychologisches oder spirituelles Modell und keine wissenschaftlich gesicherte Ursache von Demenz.
Die Rolle der Ahnenkonflikte
Besonders spannend wird es, wenn wir die transgenerationale Perspektive betrachten.
Viele ältere Menschen haben erlebt:
Krieg
Flucht
Hunger
Verlust naher Angehöriger
Gewalt
Vertreibung
Die damalige Generation hatte oft keine Möglichkeit, diese Erfahrungen aufzuarbeiten.
Das Schweigen wurde zur Überlebensstrategie.
Traumaforscher gehen heute davon aus, dass unverarbeitete Belastungen das Stresssystem einer Familie über Generationen prägen können.
Dadurch entstehen häufig:
erhöhte Stressanfälligkeit
Angststörungen
Depressionen
chronische Entzündungen
Alles Faktoren, die wiederum als Risikofaktoren für neurodegenerative Erkrankungen diskutiert werden.
Ein ganzheitlicher Blick
Aus naturheilkundlicher und ganzheitlicher Sicht könnte man sagen:
Der Mensch besteht nicht nur aus Gehirnzellen, sondern auch aus Erinnerungen, Beziehungen und Lebensgeschichten, Gefühlen.
Wenn Konflikte über Jahrzehnte ungelöst bleiben, entstehen oft:
chronische Entzündungen
sozialer Rückzug
Einsamkeit
Schlafstörungen
erhöhte Stressbelastung
Diese Faktoren gelten heute als wichtige Einflussgrößen für die Gehirngesundheit.
Was kann vorbeugend helfen?
Neben Bewegung, Ernährung und geistiger Aktivität gewinnen folgende Bereiche zunehmend an Bedeutung:
Emotionale Verarbeitung
Traumatherapie
Gesprächstherapie
Familienaufstellungen
Ahnenarbeit
Vergebungsarbeit
Nervensystem beruhigen
Meditation
Yoga
Atemübungen
Klangreisen
Naturaufenthalte
Entzündungen reduzieren
Omega-3-Fettsäuren
Optimierung des Omega-6/Omega-3-Verhältnisses
antioxidative Ernährung nach Dr. Wolfgang Feil
ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen, Magnesium und Vitamin D
Kleiner Impuls für dich:
Betrachte deine Lebensgeschichte bewusst, betrachte deine Gefühle und schliesse Frieden mit vergangenen Erfahrungen,
Du unterstützt nicht nur deine seelische Gesundheit, sondern möglicherweise auch die Gesundheit deines Gehirns und die gesunde Entfaltung der Generationen, die nach uns kommen.
Vielleicht bedeutet Heilung nicht, alles zu erinnern. Vielleicht bedeutet Heilung, dem Erinnern seinen Schmerz zu nehmen. Denn was gesehen, gefühlt und angenommen wurde, muss nicht länger im Verborgenen wirken.



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